MACHT PlATZ! Gärtnerplatz: Impressionen

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MACHT PLATZ! Gärtnerplatz!

Samstag 27.06.2009 | München | 12.00 Uhr | Performance
abgrenzen, eingrenzen, ausgrenzen, begrenzen, entgrenzen

Machtplatz Bänder

„Es gibt nichts Natürliches an der Grenze, sie ist ein höchst konstruierter Ort, der durch überschreitende Leute reproduziert wird, denn ohne das Überschreiten haben wir keine Grenze. Dann ist sie nur eine imaginäre Linie, ein Fluss oder einfach eine Wand.“ [Bertha Jottar]

Biopolitik & Rassismus

Vorlesung vom 17. März 1976 | Michel Foucault

„In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sehen wir, wie mir scheint, etwas Neues auftreten, das eine andere, diesmal nicht-disziplinäre Machttechnologie darstellt. Eine Machttechnologie, die erstere nicht ausschließt, die die Disziplinartechnik nicht ausschließt, sondern sie umfaßt, integriert, teilweise modifiziert und sie vor allem benutzen wird, indem sie sich in gewisser Weise in sie einfügt und dank dieser vorgängigen Disziplinartechnik wirklich festsetzt. […] Nach einem ersten Machtzugriff auf den Körper, der sich nach dem Modus der Individualisierung vollzieht, haben wir einen zweiten Zugriff der Macht, nicht individualisierend diesmal, sondern massenkonstituierend, wenn Sie so wollen, der sich nicht an den Körper-Menschen, sondern an den Gattungs-Menschen richtet. Nach der Anatomie-Politik des menschlichen Körpers, die sich im Laufe des 18. Jahrhunderts ausbreitete, sehen wir am Ende dieses Jahrhunderts etwas auftreten, das keine Anatomie-Politik des menschlichen Körpers mehr ist, sondern etwas, das ich als »Biopolitik« der menschlichen Gattung bezeichnen würde.“

Mehr unter: Foucault & Co
Die gesamte Vorlesung steht hier.

Das Spiel der Grenzen und der Überschreitung

Michel Foucault über Grenzen
„Die Überschreitung ist eine Geste, die die Grenze betrifft; dort, in dieser Schmalheit der Linie, zeigt sie sich blitzartig als Übergang, vielleicht aber auch in ihrem gesamten Verlauf und sogar in ihrem Ursprung. Die Strichlinie, die sie kreuzt, könnte durchaus ihr ganzer Raum sein. Das Spiel der Grenzen und der Überschreitung scheint von einer schlichten Beharrlichkeit beherrscht: Die Überschreitung durchbricht eine Linie und setzt unaufhörlich aufs Neue an, eine Linie zu durchbrechen, die sich hinter ihr sogleich wieder in einer Welle verschließt, die kaum eine Erinnerung zulässt und dann von neuem zurückweicht bis an den Horizont des Unüberschreitbaren. Doch bringt dieses Spiel weit mehr in Spiel als diese Elemente; es versetzt sie in eine Ungewissheit, in Gewissheiten, die sogleich verkehrt werden, wo das Denken rasch Schwierigkeiten bekommt, wenn es sie fassen will.
Die Grenze und die Überschreitung verdanken einander die Dichte ihres Seins: Eine Grenze, die absolut nicht überquert werden könnte, wäre inexistent; umgekehrt wäre eine Überschreitung, die nur eine scheinbare oder schattenhafte Grenze durchbrechen würde, nichtig. Doch existiert die Grenze überhaupt ohne die Geste, die sie stolz durchquert und leugnet? …“

Vollständiges Zitat auf: Foucault & Co

Performing Post/Trans/Techno/Queer:

Pluralisierung als Selbst- und Machttechnologie | Jutta Weber | 2004

Was bedeutet die Pluralisierung von geschlechtlichen und sexuellen Subjektivierungs-formen zum Zeitpunkt neoliberaler Umstrukturierungen? Worin liegt das neue – und doch aus der Philosophie altbekannte – Versprechen der Überschreitung, Verunein-deutigung oder Vervielfältigung von Kategorien im Fall der Kategorie Geschlecht und des sexuellen Begehrens? Wie ist die Veruneindeutigung von Geschlecht und sexuellen Identitäten mit Entwicklungen im Bereich der medizinischen, der Bio- und Informationstechnologien verknüpft? Warum wird Performanz von Geschlecht bzw. generell von Identität so ein wichtiger Topos am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts? Der folgende Beitrag versteht sich als ein erster Versuch über queer und transgender als gesellschaftliche Subjektivierungsweisen auch an der Schnittstelle von Performanz und Sozialem, im Kontext von Neoliberalismus und neuen Technologien nachzudenken.
[…]
Heute ist post- und transgender in aller Munde. Cyborgs, queers und post-/trans- und intersexes gelten zumindest in der theoretischen Debatte als Vorreiter alternativer Lebensmöglichkeiten und sind häufig in Befreiungsvisionen und -mythologien ein-gebunden. Anatomie scheint nicht mehr Schicksal zu sein – auf jeden Fall erscheint sie nun vielfältiger als zuvor. Mehrheitlich gilt die Geschlechterdifferenz als sozial und kulturell konstituiert und der Hegemonie der Heteronormativität geschuldet. Feministi-sche wie Queer Theory träumen davon, (Geschlechts-)Identäten, sexuelle Orientierungen und damit verbundene Subjektivierungsformen, die zutiefst in Machtstrukturen verankert sind, zu verqueren und zu unterwandern.1 Doch was bedeutet es, wenn Sub-jektivierungsformen, Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierung als eine Frage der Wahl bzw. als mach- und modellierbar erscheinen?
[…]

Erschienen in:
Caroline Rosenthal / Therese Frey Steffen / Anke Vaeth (Hg.):
Gender Studies: Standorte – Zukunftsräume. Königshausen & Neumann 2004, S. 111-121

Den kompletten Text gibt es hier als pdf :
Jutta Weber: Performing Queer

Offene Grenzen

Transit Migration | Vassilis Tsianos | Manuela Bojadžijev

Migrantinnen und Migranten sind nicht nur Opfer des Rassismus und der restriktiven Einwanderungspolitiken, vielmehr gelingt es ihnen gegen immer wieder Grenzen zu überwinden und die Kontrollabsichten der Staaten zu unterlaufen. Damit bahnen sie den Weg für eine Autonomie der Migration, deren politische Artikulation heute der Kampf um Rechte in der Illegalität ist.

Den kompletten Artikel findet ihr hier:
Offene Grenzen | Transit Migration

Warum das Meer wagen, wenn man im Flugzeug reisen kann?

Von migrantischen und touristischen Reisewegen
Infoblatt-Redaktion | Zara Pfeiffer

Der Flughafen Frankfurt ist ein Drehkreuz der Mobilität. Täglich verkehren hier durchschnittlich 144.600 Reisende: Tourist_innen, Geschäftsreisende, Migrant_innen, die abfliegen, ankommen, zwischenlanden …

Die unterschiedlichen Typen von Reisenden, die wir am Flughafen beobachten, entsprechen den Bildern, die wir uns von ihnen machen. Während Geschäftsreisende als Zeichen für ihren Status schicke kleine Trolleys hinter sich herziehen, sind die klassischen Markenzeichen von Tourist_innen die Sonnenbrille und der Fotoapparat. Migrant_innen lassen sich unschwer an ihren riesigen Koffern und billigen Plastiktaschen erkennen. Flüchtlinge sind am Flughafen unsichtbar.

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Grenze als soziales Verhältnis

Die Reaktionsweisen von Migrationswilligen auf die Grenzregime
Vortrag | März 2008 | Sabine Hess

Foto: Sabine Hess_Grenzzaun

Nur drei Wochen nach der Veröffentlichung des neuen EU-Positionspapiers zum Thema Grenzkontrollen unter dem netten Namen „border package“ 1 über Praktiken von so genannten Migrationswilligen zu reden ist eine besondere Herausforderung. Und doch lässt sich das Papier, welches Frontex als neuer EU-Grenzagentur eine stärkere Rolle verspricht und neue Technovisionen einer totalen Bewegungskontrolle beinhaltet, nicht nur als Beweis der Stärke des EU-Grenzregimes lesen, sondern auch als Beweis für die Kräfte der Bewegungen der Migration. So lässt sich die Bewegung der Migration selbst im Jahr 10 nach Amsterdam und Tampere und trotz aller Verschärfungen und trotz der Milliarden Euro, die mittlerweile in die Grenzsicherung gesteckt wurden, nicht wirklich aufhalten. Das wissen auch die EUStrategen, weshalb auf EU-Ebene schon längst auch über andere Programmatiken nachgedacht wird. Was die Vorverlagerung und Militarisierung der Grenzkontrollen jedoch auf jeden Fall mit sich bringt, ist unendliches Leid, Schrecken, Ausbeutung und Tod. Daher möchte ich auch, bevor ich auf Praktiken und die kleinen und großen Schliche des Grenzübertritts am Beispiel unserer Forschung entlang der ägäischen Küste zu sprechen komme, uns noch einmal diese Seite ins Gedächtnis rufen, die den französischen Philosoph Etienne Balibar vom Krieg an den Grenzen sprechen lässt. Auch wenn ich im Folgenden demonstrieren will, dass die Metaphorik von der Festung Europa dahingehend in die Irre führt, dass sie die Tausende MigrantInnen verunsichtbart, die es teils unter dem Einsatz ihres Lebens in unsere westlichen und nördlichen Metropolen schaffen – so denke ich doch, dass der Krieg an den Grenzen Ausgangspunkt unserer Überlegungen sein sollte. Und dieser unerklärte Krieg findet mittlerweile nicht mehr nur an den konkreten Außengrenzen statt. Seit einigen Jahren sind vielmehr mehr und mehr die Migrationsrouten in den Fokus der Kontrolle gerückt. So ist es auch nicht ganz verfehlt, von einer neuen Neo-Kolonialisierungsphase zu sprechen, diesmal aus migrationspolitischem Interesse, wenn die Schnellboote von Frontex vor der senegalesischen Küste kreuzen und Europol mit Hilfe von UN-Organisationen für 30 Millionen Euro Migrationskontrollstellen in ganz Afrika einrichten will. Das ist auch die Zukunft der Entwicklungshilfe.

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Kanak TV: Weißes Ghetto

video clip | kanak tv | weißes ghetto | 8 min.

Köln-Lindenthal, eine Hochburg der Biodeutschen, Migrant_innen sucht man hier vergeblich. Kanak TV hat sich in dieses Ghetto hineingetraut, um der Frage nachzugehen, woran es liegt, dass sich die Leute in diesem Viertel so abschotten.

Wie fühlen Sie sich hier im weißen Ghetto?
Was ist ein Biodeutscher?
Und was tun Sie, um sich hier zu integrieren?

Sehenswert! Hier:
Kanack TV | Weißes Ghetto

Der Erlebnis der Grenze

Über die Verwandtschaft von Rassismus und Tourismus | Tina Goethe

„Mexiko gilt wegen seiner reichen kulturellen Geschichte, seiner einzigartigen landschaftlichen Vielfalt, seiner besonderen Musik- und Tanztraditionen und vor allem seiner Menschen zu Recht als eines der faszinierendsten Länder der Welt.“ Ob Indien, Spanien, Ägypten oder eben Mexiko: Erste Sätze aus dem Vorwort von Reiseführern sind meist austauschbar. Dabei verlangt der Tourismus nach Einzigartigkeiten, die er vor allem in den ‘unterschiedlichen Kulturen’ der zu bereisenden Länder sucht. Egal ob Volkskultur oder hochkulturelle Zeugnisse der Vergangenheit – Kultur, die zu besuchen es sich lohnt, muss vor allem anders sein. Bezugspunkt für die Feststellung von Differenz ist dabei immer die eigene Kultur, die der Touristen und der Tourismusindustrie. Die touristische Suche ist jedoch mehr als nur die Suche nach Unterschiedlichkeit: Über den Akt des Reisens wird diese Differenz oft erst hergestellt. Denn der auf Unterschiede zum Eigenen und Bekannten gerichtete touristische Blick ist selektiv und formt das Vorgefundene gemäß der eigenen Erwartungen und Wünsche. Die auf diese Weise konstruierten Differenzen markieren dann selbst die Grenzen, deren Überschreitung Motivation und Ziel des Reisens ausmacht.

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